Hexenkunst-Blog

22.12.2015 – Die längste Nacht des Jahres...

Jede Jahreszeit hat ihre Form von Magie, die während dieser Zeit besonders gut funktioniert. Für mich ist die dunkle Jahreszeit zwischen Samhain und Imbolc eindeutig eine ‚Traumzeit‘, die ihren Höhepunkt währen der Raunächte erreicht. Wobei ‚Zeit‘ hier eigentlich die falsche Vokabel ist, denn magisches Träumen und schamanisches Reisen findet nicht in der Zeit unserer Uhren statt. Man hat dabei das Gefühl stundenlang unterwegs gewesen zu sein, aber ein Blick auf die Uhr belehrt einen, daß nur 15 Minuten vergangen sind. Aber keine Sorge, liebe Klienten, mein Stundenlohn berechnet sich immer nur nach der Uhrzeit…

Vielleicht sollte ich erst einmal erläutern, was ich unter ‚träumen‘ verstehe. Das luzide Träumen, bei dem man während des Träumens weiß, daß man träumt, ist nur eine Vorstufe des magischen Träumens. Beim magischen Träumen geht es darum die Alltagswelt in den luziden Traum zu bringen und anschließend über den Traum Veränderungen in der Alltagswelt zu bewirken.

So kann man z.B. Traumszenarien wählen, indem man den inneren Dialog abstellt, während man eine Landschaft oder das Bild einer Landschaft längere Zeit betrachtet. Auf diese Weise wird die Szenerie so intensiv abgespeichert, daß man im nächsten Traum dort landet und handeln kann. Auch Gegenstände, z.B. Steine oder Blätter, können so mit in die Träume genommen werden. Dort sieht man die alltäglichen Gegenstände dann auf ganz neue Weise. Man erlernt durch diese Arbeiten auch im Alltag eine völlig neue Art zu sehen und erkennt, um bei unserem Beispiel zu bleiben, die inneren Eigenschaften von Pflanzen und Steinen.

Die Kunst des Träumens wird also nicht nur nachts geübt, sondern zeigt uns auch tagsüber die Natur unserer Bewußtheit. Man lernt durch das Anhalten des inneren Dialogs die normale synthetisierende und konstruierende Aktivität des Geistes einzustellen. Diese Aktivität verwebt die sensorischen Daten unserer Sinnesorgane zu einem kohärenten Erzählmuster über Dinge und Personen. Am Ende sind unsere ‚Geschichten‘ über das Wahrgenommene viel präsenter als die eigentliche Wahrnehmung. Sobald es gelingt den inneren Dialog abzustellen, also reine Aufmerksamkeit zu sein, löst sich die vertraute Alltagswahrnehmung in einen dynamischen Strom unpersönlicher Phänomene auf. Im Idealfall schult man seine Aufmerksamkeit darin den nichtdualistischen träumenden Hintergrund der Alltagsrealität wahrzunehmen, anstatt sich immer wieder selbst die gleichen, stark persönlich gefärbten Geschichten zu erzählen.

An und für sich wäre schon ein kurzer Urlaub von den eigenen, nach all den Jahren doch recht langweiligen, Geschichten Grund genug für das Üben der reinen Aufmerksamkeit. Aber der Nutzen geht noch viel weiter: wenn man im Traum ‚aufwacht‘, d.h. luzide wird, kann man den Traum verändern und steuern. Wenn es gelingt in der Alltagswelt ‚aufzuwachen‘, dann kann man die Realität verändern.

Deshalb wünsche ich uns allen ein paar ‚ruhige‘ Feiertage!


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