Hexenkunst-Blog

2.8.2018 – Drei Mythen über Magie

Unsere Realität wird über unsere Glaubenssätze definiert. Über die Geschichten, die wir uns selbst und anderen erzählen, wie das Leben so ist, wie die Menschen sind und wie unsere Zukunft sein wird. Die meisten Menschen halten an ihren Glaubenssätzen fest und verteidigen sie hartnäckig, auch wenn diese Glaubensätze und Geschichten ihr Leben unglücklich machen. Ein Magier weiß welche Macht diese Geschichten, die wir uns immer wieder selbst erzählen, haben. Eine schlechte Geschichte durch eine gute zu ersetzen kann das ganze Leben für immer zum Positiven verändern.

Heute möchte ich über die schlechten Geschichten schreiben, die über Magie im Umlauf sind. Unsere Kultur begräbt die Magie unter einem großen Haufen von Angst und macht sie lächerlich. Magie ist je nachdem wen man fragt entweder ‚böse‘, ‚nicht existent‘ oder ‚gegen die Wissenschaft‘. Vielleicht kann dieser Artikel ja einige dieser Mythen zerstören.

Also immer schön der Reihe nach. Beginnen wir mit ‚böse‘:

Die Magie gibt einem Werkzeuge an die Hand und sagt ‚probiere aus, was für Dich funktioniert und was für Dich wahr ist‘. In einer Welt voller Dogmen löst so etwas Angst aus. Magie ist in gewisser Weise ‚amoralisch‘ (nicht ‚unmoralisch‘), denn was man mit den Werkzeugen macht, nachdem man gelernt hat damit umzugehen, bleibt jedem selbst überlassen. Aber das ist mit jedem Werkzeug so, schließlich kann man auch mit einem Messer oder einem Auto jede Menge nützlicher und guter Sachen machen.

Die Sache mit der ‚schwarzen Magie‘ ist einfach ein guter Werbegag der Kirche, um sie von der ‚weißen Magie‘ abzugrenzen. ‚Weiß‘ war einfach alle Magie, die die Kirche früher selbst machte: Gebete, die Wandlung von Brot und Wein, geweihte Gegenstände als Schutz, Heilungen, und Exorzismen. Alles was nicht von der Kirche kam war Teufelswerk und deshalb ‚schwarz‘.

Wobei es eigentlich wohl nur darum ging die Leute davon abzuhalten ihren eigenen spirituellen Weg zu gehen und von den kirchlichen Priestern unabhängig zu sein. Wenn diese Begriffe heute verwendet werden, macht man sich diese Herkunft oft nicht klar. Magie selbst ist jedenfalls weder schwarz noch weiß. Sie kann nur mehr oder weniger verantwortlich und ethisch ausgeübt werden.

 

Und damit kommen wir zu ‚nicht existent‘:

Ja, Magie hat mit Imagination und Phantasie zu tun. Alle Dinge auf dieser Welt, vom Rad bis zur Raumfähre existierten zuerst in der Phantasie. Dann wurde diese Phantasie durch harte Arbeit und Experimente in der materiellen Welt realisiert. Auch viele andere Dinge existieren nur in unserer Vorstellung: unsere Reputation, unsere Geschichten über unsere Vergangenheit, unsere Ideologien und Werte. Es sind nur unsere Gedanken und die daran anknüpfenden Emotionen, aber trotzdem kontrollieren sie unser Leben. Unsere Imaginationen und Phantasien sind also auf einer nicht materiellen Ebene sehr wohl real, auch wenn man sie nicht anfassen kann.

Die Magie arbeitet genau auf dieser nichtmateriellen Ebene und beeinflußt darüber auch die materielle Ebene. Das heißt nicht, daß die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt werden (wobei ich auch das schon einige Male erlebt habe) oder daß keine Arbeit mehr nötig wäre um etwas in die materielle Welt zu bringen, aber Gedanken und Ereignisse können in eine bestimmte Richtung gelenkt werden.

Die verschiedenen Ebenen werden oft verwechselt. Das Lustigste was ich diesbezüglich mal gehört habe war: ‚Wenn es Deine Götter geben würde, hätte man sie bei der Raumfahrt schon längst am Himmel entdeckt‘. Tja, man hat auch schon viele Gehirne aufgeschnitten und noch nie einen Gedanken darin gefunden.

Zum Schluß noch ‚gegen die Wissenschaft‘:

Die Magie ist der Vorläufer von Religion und Wissenschaft. Die wilden und oft verrückten Visionen der Stammesschamanen und Propheten wurden später zu den Offenbarungen der Religionen. Es wurde ein kanonisches System festgezurrt und eine Priesterkaste geschaffen, die das wilde Erbe in systemtaugliches Gedankengut verwandelte.

 

Genauso waren die Alchemisten die Vorläufer der Wissenschaft. Sie waren die ersten, die wirklich herausfinden wollten, wie Realität funktioniert. Die heutige Wissenschaft hat allerdings nur den materiellen Teil der Alchemie weiterentwickelt und lange Zeit vergessen, daß es nicht nur eine materielle Ebene gibt, sondern auch eine geistige.

Mit den Entwicklungen in der Physik der letzten 50 Jahre rückt die geistige Ebene endlich wieder in den Fokus. Das wird sicher nicht zur großen Versöhnung der meisten Wissenschaftler mit der Magie führen. Aber zumindest mir macht es Freude in wissenschaftlichen Fachartikeln Dinge zu lesen, die man vor 50 Jahren noch als esoterisches Gedankengut abgetan hätte.


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