Hexenkunst-Blog

1.5.2016 - 'Können Sie auch mein Lieblingsschmuckstück als Talisman laden ?'

Ja, das könnte ich, aber ob Sie das auch wirklich wollen, wenn Sie die Funktionsweise eines Talismans kennen gelernt haben, ist fraglich. Normalerweise stellt man sich unter einem Talisman das vor, was man unter dieser Bezeichnung im Laden kaufen kann: Metallplatten mit darauf gravierten magischen Symbolen oder entsprechend gefaßte Halbedelsteine. Das sieht meist sehr hübsch aus, ist auch ein tolles Schmuckstück, aber als Talisman nur sehr bedingt geeignet.

Magisch aufgeladene Talismane sind in gewisser Weise lebendig. Sie reagieren auf ihren Träger und seine Umwelt. Das heißt sie gehen kaputt oder verloren, wenn sie ihren Zweck erfüllt oder ihre Kraft verbraucht haben. Natürlich wünscht man sich dieses Verhalten nicht bei seinem Lieblingsschmuckstück.

Geladene Talismane haben also nur eine gewisse Lebensdauer, die davon abhängt wie schnell sie entladen werden. Entladen werden sie, wenn sie ihre magische Aufgabe erfüllen, aber auch, wenn man über sie redet oder sie herumzeigt und von anderen Leuten anfassen läßt. Um die magische Ladung möglichst lange zu erhalten, sollten sie deshalb nicht offen getragen werden. Am besten trägt man sie unter der Kleidung direkt auf der Haut oder in der Hosentasche.

Bei der Herstellung eines Talismans hat jeder Magier seine eigenen Präferenzen. Erfahrungsgemäß sind die stärksten Talismane immer die, die man eigenhändig herstellt. Dann kann man während des gesamten Herstellungsprozesses seine Kraft in das Material leiten. Dazu werden die Ausgangsmaterialien zuerst komplett entladen, um alle anhaftenden Spuren der industriellen Herstellung und des Handels zu entfernen. Nur bei natürlichen Materialien, wie z.B. Pflanzenteilen, entfällt dieser Schritt, denn diese geben dem Talisman noch zusätzlich Kraft.  Nach dieser ‚Reinigung‘ werden die Ausgangssubstanzen geweiht und dann im Rahmen eines Rituals zu dem Talisman zusammengefügt. Mitunter sind auch mehrere Rituale nötig, in denen der Talisman immer weiter aufgebaut wird. Zum Schluß wird die gesamte Kraft des Rituals in den fertigen Talisman geladen und dort versiegelt.

Bei einem fertig gekauften Talisman bleiben einem nur der erste Schritt der Reinigung und der letzte Schritt der rituellen Ladung und Versiegelung, um die magische Kraft auf den Talisman zu übertragen. Bei erfahrenen Magiern kann auch das sehr gute Resultate zeitigen, aber ein selbsthergestellter Talisman ist dem immer überlegen.

Wie solche selbstgemachten Talismane aussehen hängt von der Arbeitsweise des Magiers und seinem handwerklichen Geschick ab. Bei mir ist der Ausgangspunkt oft eine handgeschriebene Sigille, die dann mit verschiedenen natürlichen Materialien (Pflanzenteile, Steine, Erde, Federn, Haaren der Zielperson etc.) kombiniert wird. Diese Kombination wird dann entweder in ein Stoffsäckchen gefüllt oder in Modelliermasse zu einem Anhänger verarbeitet. Jede Materialkombination und jedes Ritual sind individuell auf den Klienten zugeschnitten. Man folgt dabei keinem ‚Rezeptbuch‘, sondern seiner Intuition, was in dem jeweiligen Einzelfall benötigt wird.

Und zu guter Letzt noch zu der Frage: wohin mit dem kaputten Talisman ? Nicht, daß mir diese Frage schon mal jemand gestellt hätte. Aber ich beantworte sie hier jetzt trotzdem. Am besten wäre es diesen alten Talisman in seinem Garten zu vergraben. Wenn das nicht geht, kann man ihn auch in einem Park oder im Wald bestatten. Und ja, natürlich kann man ihn auch einfach in den Müll schmeißen, aber das ist so unsagbar respektlos gegenüber der feinstofflichen Welt…


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