Hexenkunst-Blog

23.9.2015 – Mabon

Nach dem heutigen Datum, an dem die Nacht genausolang ist wie der Tag, werden die Nächte wieder länger als Tage. Die beiden Äquinoktien sind die Übergangszeiten des Jahres und für die Hexe Freudenfeste. Beim Frühjahrsequinox gilt die Freude dem Ende des Winters, beim Herbstequinox der Ernte, die man den Sommer über eingebracht hat. Es ist das Erntedankfest, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Man  kann auf das bisher Erreichte in Dankbarkeit zurückblicken und sich über die Erfolge freuen. Gleichzeitig sollte man seine Aktionen aber auch kritisch prüfen: Was ist gut gelaufen? Was schlecht? Was kann man besser machen? Was sollte man aus seinem Leben eliminieren, um sich nicht unnötig zu belasten? An Mabon geht es darum, wieder Harmonie in seinem Leben herzustellen und sein inneres Gleichgewicht zu finden. Natürlich kann man das auch an jedem anderen Tag des Jahres tun, aber an der Tag- und Nachtgleiche liefert die Natur das Symbol der Balance praktisch frei Haus.

Dementsprechend ist es auch ein guter Zeitpunkt, auf die ersten Monate dieses Unternehmens zurückzublicken. Im Rahmen meiner Tätigkeit durfte ich einige sehr interessante Menschen kennen lernen, die mich auch zu neuen magischen Herangehensweisen und Einsichten inspiriert haben. Allein schon deshalb war es lohnend, meine Dienstleistungen öffentlich anzubieten. Besonders hervorheben möchte ich die Begegnung mit einem schwerstbehinderten Kind, das weder sprechen noch im herkömmlichen Sinne denken konnte (Hirnschaden durch Sauerstoffmangel vor vielen Jahren). Meine Aufgabe war es, auf den inneren Ebenen Kontakt aufzunehmen, um einige wichtige Fragen der Eltern zu klären.

Nun hat jeder von uns seine Vorurteile und automatischen Reaktionen, wenn man jemanden, wie dieses Kind, bleich in den Kissen liegen sieht. Man kann sich in dem Moment kein schlimmeres Schicksal vorstellen und findet das alles nur schrecklich. Die Überraschung kommt, wenn es wirklich gelingt, auf den inneren Ebenen in Kontakt zu treten. Man lernt einen glücklichen Menschen kennen, der nur im Augenblick lebt. Jemand, der das verwirklicht hat, wonach man selbst seit Jahren strebt, während man sein Meditationskissen platt sitzt und im Alltag immer wieder seine Achtsamkeit in den gegenwärtigen Moment zurück lenkt. Natürlich gibt es auch im Leben dieses Kindes unglückliche Augenblicke. Aber wenn man sich keine Sorgen über die Zukunft machen oder die Vergangenheit bereuen kann, überwiegen doch die glücklichen - insbesondere dann, wenn man liebevoll umsorgt wird.

Alle Theorien über schlechtes Karma, das jemand mit so einem schweren Schicksal in den letzten Leben angesammelt haben soll, waren für mich in dem Moment der Begegnung mit diesem Kind hinfällig. Wenn ich mir ein Vorleben vorstellen sollte, dann vielleicht das eines Intellektuellen, der sich seiner geistigen Fähigkeiten erfreut, aber nie seinen Geist zur Ruhe bringen kann. Ein nachfolgendes Leben mit so einer schweren Behinderung käme für ihn gleichzeitig einem Ausruhen und einem riesigen Lernschritt gleich. Ganz ab von solchen Spekulationen: für mich war dieser Auftrag ein großer Lernschritt für den ich sehr dankbar bin.


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