Hexenkunst-Blog

21.6.2017 – Magie versus Mystik

Unter Magiern ist die Ansicht populär, daß man durch die Magie zum Mystiker wird. Erlebt habe ich das bisher nur als eine Art Vorruhestand. Der Magier zaubert immer weniger und verlegt sich stattdessen aufs Philosophieren. Damit entfällt dann auch die Erfolgskontrolle durch die Realität. Während man bei einem erfolgsmagischen Ritual meist erkennen kann wie gut es funktioniert hat, kann man sich in Bezug auf seine mystische Verwirklichung einigen Illusionen hingeben. Dies umso mehr je weniger man praktisch magisch arbeitet.

 

Im Idealfall ist es eher umgekehrt: man entwickelt sich von der Mystik zur Magie. Denn es ist schon ein ziemlich hohes Maß an mystischer Verwirklichung nötig, um erfolgreich Magie betreiben zu können. Man sollte z.B. eine aktive Kundalini haben, um den energetischen Anforderungen vieler magischer Arbeitsweisen gewachsen zu sein. Außerdem ist ein hohes Maß an Konzentration und Gedankenkontrolle nötig, um während eines magischen Rituals, das gut eine Stunde dauern kann, den Fokus zu halten. Die Ergebnisse des Rituals werden jedenfalls eher durchwachsen sein, wenn man währenddessen an die unerledigte Hausarbeit oder den Streß auf der Arbeit denkt.

Deshalb ist eine tägliche Meditationspraxis unabdingbar, wenn man erfolgreich magisch arbeiten will. Man sollte sich als Magier auch den Gefallen tun täglich Energiearbeit zu machen, denn die Belastung für den Energiekörper kann bei magischen Ritualen recht hoch sein. Ein starker Energiekörper schützt den Praktizierenden vor den gesundheitlichen Auswirkungen der Hexenkunst. In der magischen Praxis ist es also ganz ähnlich wie beim Leistungssport: ein tägliches Training ist nötig um fit, leistungsfähig und gesund zu bleiben.

 

Ein weiterer Aspekt, der von Außenstehenden gern übersehen wird: die magischen Fähigkeiten des Menschen sind begrenzt. Erst in der Zusammenarbeit mit feinstofflichen Wesenheiten, wie z.B. Naturwesenheiten, Göttern, Engeln oder Krafttieren, können größere magische Arbeiten bewerkstelligt werden. Dafür ist ein guter Kontakt zu diesen Wesenheiten nötig. Dieser Kontakt ergibt sich erst durch eine langjährige oft mystische Praxis und sollte regelmäßig gepflegt werden. Schließlich wirkt es auch bei feinstofflichen Wesenheiten seltsam, wenn man sie immer nur dann ‚anruft‘ wenn man etwas von ihnen braucht. Ein Beispiel für so eine Kontaktaufnahme findet sich im Buch Abramelin. Darin beschreibt Abraham von Worms (1362 – 1458) wie er in einem 18 monatigen Exerzitium den Kontakt zu seinem Schutzengel herstellte. Schon in diesem Buch wird der Kontakt zum eigenen Schutzengel als Voraussetzung für jede magische Arbeit angesehen.

 

In anderen Traditionen ist es ähnlich. Im Tantra erwachsen die Siddhis (magische Fähigkeiten) aus dem Einswerden mit dem Yidam (Meditationsgottheit). Im Voodoo oder im Schamanismus sind Einweihungsrituale nötig, bei denen man den feinstofflichen Wesenheiten der jeweiligen Tradition vorgestellt wird und oft an den Rand des Zusammenbruchs kommt. Immer geht es um ein mystisches Erleuchtungserlebnis, das der erfolgreichen magischen Arbeit vorausgehen muß.

 

Vielleicht ist das mit ‚Mystik oder Magie‘ aber auch nur eine Mentalitätsfrage. Ein Geisteswissenschaftler gründet nach dem Erleuchtungserlebnis eine Religion und verfällt ins Philosophieren. Ein Naturwissenschaftler fragt sich nach dem Erleuchtungserlebnis: o.k. und was kann man damit machen?

 

In diesem Sinne wünsche ich allen eine frohe Sonnwendfeier.

 


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