Hexenkunst-Blog

1.10.2016 – Wenn der Schleier zur Anderswelt dünner wird…

… dann hat das die verschiedensten Auswirkungen. Bei vielen Menschen werden die Träume intensiver und es fällt auch am Tage leichter in die Anderswelt zu reisen. Andere gedenken ihrer Ahnen und stellen fest, daß es in diesen Tagen einfacher wird Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Die christlichen Feste Allerheiligen (auf Englisch ‚All Hallowed Evening‘ oder eben abgekürzt ‚Halloween‘) und Allerseelen wurden also im 8. Jahrhundert nicht zufällig in diese Jahreszeit gelegt. Unsere keltischen Vorfahren feierten an diesem Tag Neujahr und nutzten die besonders einfache Kontaktaufnahme zur Anderswelt für Orakel.

 

Allerdings wird der Schleier auch für die andere Seite dünner. Dies hat zur Folge, daß sich auch die ‚Geisteraktivität‘ auf unserer Seite verstärken kann. Es kann zu Poltergeistphänomenen kommen oder in weniger extremen Fällen zu seltsamen Gerüchen, die keine physikalische Ursache haben. Da der Geruchssinn der ursprünglichste von unseren Sinnen ist und am wenigsten durch gesellschaftliche Konditionierungen beeinflußt wird, nutzen ihn vor allem Verstorbene um auf sich aufmerksam zu machen. Da riecht es dann in einem Nichtraucherhaushalt nach Pfeifentabak oder nach dem Parfüm, das man schon zu Lebzeiten der Tante immer ‚unterirdisch‘ fand. Meistens ist das nicht mehr als ein lieber Gruß und man sollte sich einfach darüber freuen.

 

Mitunter ist es aber auch ein Hilferuf. Frühere Generationen hatten eine recht klare Vorstellung vom Jenseits, die ihnen nach dem Tode zumindest mal eine Orientierung bot. Das christliche Konzept von ‚Hölle und Verdammnis‘ war natürlich schon immer kontraproduktiv. Aber wahrscheinlich dachten die meisten Christen, daß es nur ‚die Anderen‘ erwischt und bewegten sich im Zweifelsfall eher nach oben… Heute dagegen erlebe ich immer wieder, daß Menschen total erstaunt und geschockt sind, wenn sie merken, daß sie nach dem Tod noch da sind. Manche finden nach einigen Tagen oder Wochen selbst heraus, was zu tun ist, aber andere bleiben einfach in einer Zwischenwelt hängen. Samhain ist der ideale Zeitpunkt um ihnen durch ein Ritual zu helfen.

 

Wobei ‚Zeitpunkt‘ eigentlich nicht das richtige Wort ist. Samhain richtet sich nach dem Mondkalender und wenn wir es in unserem Sonnenkalender auf den 1.11. legen, dann ist das nur eine erste Näherung. Samhain ist eher eine Zeitqualität, sie sich ab dem Neumond im Oktober langsam entwickelt, zum Vollmond (dieses Jahr am 14. November) ihren Höhepunkt erreicht und am nächsten Neumond beendet ist. Der geeignete ‚Zeitpunkt‘ für ein Samhain Ritual, das den Verstorbenen den Weg in die Anderswelt erleichtert, sind die 3 Nächte um den Vollmond herum. Am besten entzündet man dazu draußen ein Feuer und öffnet das westliche Tor zur Anderswelt. Dann muß man nur noch darauf achten, daß das Tor die ganze Zeit offen bleibt und die Seelen der Verstorbenen nicht den eigenen Körper als Brücke ins Jenseits benutzen, sondern entweder durch das Feuer oder direkt durch das Tor gehen. Andernfalls könnte es passieren, daß man die abendliche Kürbissuppe ein zweites Mal sieht.

 

Der Brauch um diese Jahreszeit draußen Feuer zu entzünden ist uralt und wurde sicher auch als Hilfe für die Verstorbenen verstanden. Natürlich kann man auf den dünnen Schleier zur Anderswelt auch reagieren indem man sich verkleidet und Lärm macht, um die Geister zu vertreiben. Zumindest für die Geister der meisten Verstorbenen ist das aber weniger hilfreich.

In diesem Sinne: wünsche allen ein Frohes Neues Jahr!


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