Hexenkunst-Blog

1.11.2015 – "Wie sind Sie zu dieser Religion gekommen?"

Als Hexe mit Steuernummer und IHK Pflichtmitgliedschaft bekommt man eine Menge Fragen gestellt. Darunter auch einige ziemlich seltsame. Pünktlich zu Samhain kam dann auch eine Interviewanfrage einer amerikanischen Journalistin zum Thema ‚Hexen & Religion‘, die mit der obigen Frage begann. Was soll man dazu sagen?

Ob man Psychologen und Naturwissenschaftler auch fragt, wie sie zu ihrer Religion gekommen sind? Bei diesen Berufsgruppen mutet die Frage zunächst einmal lächerlich an. Ist sie aber nicht. Schließlich haben sich auch diese Berufsgruppen aufgrund ihrer Tätigkeit bzw. schon während ihrer Ausbildung einige Glaubenssätze angeeignet. Psychologen glauben z.B. an die Existenz und zentrale Bedeutung des Unbewußten in der menschlichen Psyche. Zumindest dann, wenn sie keine Behavioristen sind - die sehen das nämlich etwas anders. Naturwissenschaftler dagegen ändern ihren beruflichen Glauben ständig. Ich darf das sagen, schließlich habe ich in Chemie promoviert. Während z.B. der Glaube an Äther als Medium zur Ausbreitung von Licht 1902 noch zu einem Nobelpreis führte, war er 1905 schon völlig überholt. Um 1924 wurde der Äther von Einstein wieder eingeführt, um physikalische Eigenschaften des Raumes erklären zu können. Inzwischen gilt die Äthertheorie unter Naturwissenschaftlern als falsch, wenn auch einige die Sache noch nicht ganz aufgegeben haben (neue Ätherdrift-Experimente 2006).

Nur würde niemand diese Suche nach Erklärungen als Religion bezeichnen. Es sind einfach Theorien, die diese Menschen im Rahmen ihrer Tätigkeit oder durch Forschungsberichte, die sie gelesen haben, aufgestellt haben. Diese Theorien ändern sich, wenn es neue Experimente, Erfahrungen oder Erkenntnisse gibt. Also ein ganz natürlicher Prozeß. Daneben können Psychologen und Naturwissenschaftler natürlich auch noch Anhänger einer Religion, wie z.B. Christentum oder Buddhismus, sein. Allerdings hat das nichts mit ihrem Beruf zu tun und normalerweise gilt die erste Frage in einem Interview auch nicht ihrer Religion. Warum sollte das bei einer Hexe anders sein? 

Aber gut, zurück zur Frage. Ich glaube nur, was ich sehe oder sonst irgendwie wahrnehmen und experimentell bestätigen kann. Wenn man Auren sehen kann, dann glaubt man an die Existenz eines feinstofflichen Körpers. Wenn man mit Verstorbenen Kontakt aufnehmen kann, dann glaubt man an ein Leben nach dem Tode. Wenn Dinge, die man hellsehend wahrgenommen hat, eintreten oder sich als wahr herausstellen, dann glaubt man irgendwann an Präkognition. Wenn man nach magischen Arbeiten immer wieder Resultate beobachten konnte, dann glaubt man nach einigen Jahren auch an Magie. Selbst dann, wenn man keine Theorie hat, wie sie funktioniert. Ist man deshalb ein religiöser Mensch?

Hier mag man nun einwenden, daß die meisten Menschen keine Auren sehen können und deshalb ihrer Existenz skeptisch gegenüber stehen. Deshalb wird für sie der feinstoffliche Körper zur Glaubenssache. Aber jetzt mal ehrlich: wer von uns könnte die Ätherdrift-Experimente nachvollziehen? Bei den meisten Menschen scheitert das schon an den mathematischen Grundvoraussetzungen, die man in der modernen Physik nun mal benötigt. Vermutlich ist das wirkliche Verständnis für kosmische Mikrowellenstrahlung in der menschlichen Rasse etwa so verbreitet wie das Sehen von Auren. All diejenigen, die zu beidem keinen Zugang haben, können sich dann nur entscheiden, ob sie daran glauben wollen oder nicht. Diese Entscheidung fällen sie mit Hilfe von Journalisten, die schon vorher genau wissen, was bei dem Interview heraus kommen wird. Und nein, in dem Fall ist das keine Präkognition.

Na, dann: „Happy Halloween…“


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