Zwei Fragen bekommt man als praktizierende Hexe immer wieder gestellt, deshalb sollen sie heute einmal Blogthema sein. Die erste kommt meistens von Klienten, die für ein Ritual irgendwelche Materialien (meistens Fotos) schicken sollten und lautet: ‚Geht es nicht auch ohne?‘. Die zweite kommt von Seminarteilnehmern und lautet: ‚Kann ich das nicht einfach weglassen oder damit ersetzen?‘.
Hinter diesen Fragen steht meist die Annahme, daß Intention und Wille schon irgendwie ausreichen müßten, um magische Resultate zu erzeugen. Wer es einmal mit Intention und Willen im Alltag versucht hat oder wer mit ‚Wünschen ans Universum‘ gearbeitet hat, der weiß wieweit man damit kommt. Magie funktioniert wie jede andere reale Sache auch: Man muß das Richtige tun, wenn man etwas erreichen will. Wobei es natürlich wie im Alltag auch meist nicht nur ‚das Richtige‘ gibt, sondern verschiedene Optionen, die mehr oder weniger erfolgversprechend sind.
Fotos oder andere Verbindungen zur Zielperson sind dabei unersetzlich, insbesondere, wenn der oder die magisch Praktizierende die Zielperson nicht kennt. Schließlich soll die Magie bei dem oder der Richtigen ankommen und nicht irgendwo.
Die zweite Frage ist komplizierter. Fangen wir mal beim Begriff ‚einfach‘ an: Faulheit und eine ‚mir doch egal‘ Mentalität machen sich nur selten bezahlt, wenn man seine Ziele erreichen will. Bei magischen Zielen ist das nicht anders. Aber natürlich gibt es auch gute Gründe für Substitutionen. Manche Materialien sind schwer zu beschaffen oder sind ethisch fraglich, wie z.B. Tierblut für einen Vegetarier. In solchen Fällen ist Substitution mit Augenmaß gefragt.
Substitution mit Augenmaß bedeutet immer, daß man das Ritual verstanden haben muß, bevor man irgendetwas wegläßt oder austauscht. Jede Änderung verändert auch etwas am Resultat. Das kann schlecht sein, muß es aber nicht. Um es einmal an einem einfachen Beispiel zu erklären: Für einen Tomatensalat braucht man Tomaten, Zwiebeln, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Olivenöl. In gewissen Grenzen sind die Mengenverhältnisse dieser Zutaten variabel. Man kann den Zitronensaft durch Balsamicoessig ersetzen. Es wird etwas anders schmecken, aber vermutlich genauso gut. Wenn man das Olivenöl durch Rapsöl ersetzt, sieht der Salat zwar noch genauso aus, hat aber gesundheitlich andere Auswirkungen. Die Zwiebeln kann man notfalls weglassen. Eingelegte Oliven, Mozzarella und Basilikum sind optional und würden das Ergebnis verbessern. Wenn man die Tomaten wegläßt, hat man keinen Tomatensalat mehr und wenn man die Zwiebeln durch gebratenen Speck ersetzt, ist alles verloren. Beim Tomatensalat sieht das jeder ein, weil jeder verstanden hat, wie Tomatensalat funktioniert. Wenn man ein Ritual genauso gut verstanden hat, dann kann man auch unbedenklich substituieren oder weglassen.
In diesem Sinne wünsche ich Allen ein schönes Lammasfest.
|
|
|