Hexenkunst-Blog

20.3.2020 – Meditation

Nachdem ich schon diverse Male (z.B. hier) in diesem Blog ein Loblied auf die Meditation gesungen habe, sollte ich vielleicht mal erklären, was ich darunter verstehe. Die Möglichkeiten sind schließlich breit und reichen von inbrünstigem Gebet über innere Kampfkünste wie Tajiquan bis hin zu Oshos dynamischer Meditation. All das meine ich nicht, wenn ich von Meditation schreibe.

 

Bei der Meditation geht es darum das ständige Haften an Gedanken zu beenden. Man löst die ständige mentale Ablenkung auf, um zu einem tieferen Gewahrsein vorzustoßen. Es gibt viele Methoden das zu erreichen, aber die meisten funktionieren einfach dadurch, daß man sich auf eine einzige Sache fokussiert und alle anderen Gedanken auftauchen und wieder gehen läßt ohne auf sie einzusteigen. Kurz gesagt: hinsetzen und still sein. Das Meditationsobjekt kann dabei alles Mögliche sein, z.B der eigene Atem, ein Mantra oder eine Kerzenflamme.

 

Es geht nicht darum veränderte Bewußtseinszustände zu erreichen. Allerdings erleichtert eine längere Meditationspraxis das Erreichen von veränderten Bewußtseinszuständen erheblich. Es geht auch nicht darum Visionen zu haben. Wenn man bei der Meditation eine Vision des Erzengels Raphael hat, ist das schließlich auch nur eine Ablenkung.

 

Viele Leute starten ihre Meditationspraxis mit unrealistischen Erwartungen und geben dann sehr schnell auf, wenn sich diese nicht erfüllen. Wenn man jeden Tag regelmäßig 30 – 60 Minuten meditiert, dann sollte man in den ersten 6 Monaten nichts anderes als Ablenkungen erwarten. Man konzentriert sich einige Sekunden (später dann Minuten) auf seinen Atem, dann schweifen die Gedanken ab zur Einkaufsliste, weiter zum Wochenende, weiter zu den Freunden, die zu Besuch kommen etc. Das ist der entscheidende Moment bei der Meditation: wenn man die Ablenkung bemerkt und zum Fokus auf den Atem zurückkehrt ohne weitere Gedanken, dann meditiert man weiter. Wenn man die Ablenkung bemerkt und weiter über die Freunde nachdenkt oder sich selbst beschimpft, weil man noch nicht mal 5 Minuten den Fokus halten kann, hat man aufgehört zu meditieren. 

Natürlich ist das erst einmal ziemlich frustrierend. Man hat sich immer für einen cleveren, erfolgreichen Menschen gehalten, der sein Leben im Griff hatte und nun stellt man fest, daß man noch nicht mal für 1 Minute seinen Focus halten kann. Man sollte meinen, daß man so eine basale Sache, wie die eigenen Gedanken schnell im Zaum halten könnte. Dem ist aber nicht so. Seine eigenen Denkprozesse zu meistern ist eine echte Leistung. Man kämpft gegen seine wandernden Gedanken, aufkommende Gefühle, zwackende Muskeln und die Langeweile.

 

Da fragt man sich natürlich: warum sollte ich mir das antuen? Wenn man in der Meditation gelernt hat seine Ablenkungen zu registrieren, dann wird man sie irgendwann auch im Alltag bemerken. Das macht einen nicht nur effektiver beim konzentrierten Erledigen seiner Aufgaben, sondern man hört auch auf mechanisch zu reagieren. Sehr viel was Menschen so sagen, denken und tun ist nur eine mechanische Reaktion, die mehr damit zu tun hat wie sie aufgewachsen sind und was es heute zum Frühstück gab als mit der eigentlichen momentanen Situation. Das nächste Mal, wenn jemand anfängt einen zu manipulieren oder man auf die Aufmerksamkeitslenkung von Internetseiten herein zu fallen droht, wird man für seine Meditationspraxis dankbar sein.   

 

Und das Schöne dabei ist: diese rein weltlichen Errungenschaften der Meditation ergeben sich viel früher als die spirituellen Benefits. So fällt es dann viel leichter einige Jährchen auf Samadhi, Ekstase und Kundaliniaufstieg zu warten...  


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