Hexenkunst-Blog

23.9.2019 – Fortbildung

Auch als Hexe sollte man sein Fachwissen immer auf dem neusten Stand halten und über den Tellerrand schauen. Da hat Fortbildung einen ganz hohen Stellenwert und wenn ein recht bekannter Rinpoche für tantrische Einweihungen anreist, muß man dort natürlich hin. Die grüne Tara ist zudem eine Dakini von besonderer magischer Relevanz, dafür kann man schon eine weitere Anfahrt und einen kleinen Kulturschock in Kauf nehmen.

 

Wer jetzt denkt, der ‚Kulturschock‘ bezöge sich auf das tantrische System, liegt falsch. Unter magisch Praktizierenden entdeckt man meist schnell Gemeinsamkeiten, auch wenn man mit ganz unterschiedlichen Systemen arbeitet. Nein, der Kulturschock trifft mich jedes Mal, wenn ich eine europäische Gompa betrete. Dort zeigen sich meist die schrecklichen Auswirkungen einer unreflektierten Konvertierung vom Christentum zum Buddhismus. Der Rinpoche kam den Gläubigen schon entgegen, indem er die Taten der grünen Tara pries ohne ein einziges Mal das Wort ‚Magie‘ zu erwähnen. Der Übersetzer besorgte den Rest, indem er 'Invokation' mit 'Einladung' und 'Siddhis' mit 'Vervollkommnung' übersetzte. Dementsprechend hat außer uns auch nur der Rinpoche die Tara invoziert. Der Rest gab sich mit Rezitieren zufrieden. Es klang wie das Vaterunser auf Tibetisch. Den Vogel haben sie aber beim Mantrasingen abgeschossen: ‚Green Tara meets Johann Sebastian Bach‘, yeah. Da entglitt sogar dem Rinpoche ganz kurz das sanfte Asiatenlächeln...

 

Nun will ich hier nicht die Hardlinerklagen wiederholen, daß Einweihungen an Leute gegeben werden, die noch nicht mal für 5 Minuten ihre Gedanken zusammenhalten, geschweige denn ganz abschalten, können. Das ist die Macht des Kapitalismus und der Zwang sein Kloster mit Devisen zu finanzieren. Schließlich profitiere auch ich von diesem Zwang und der daraus resultierenden Reisetätigkeit der Rinpoches. Nein, mein Problem ist ein ganz anderes: Für jede Hexe, die einmal ein paar Jahre in einem strikten Gradsystem mit Prüfungen sozialisiert wurde, ist unschwer zu erkennen, daß die weitaus meisten Mitglieder von tibetisch orientierten Gruppen auch nach jahrelanger Praxis noch immer nichts können. Das ist vollkommen verblüffend, wenn man bedenkt welche mystischen und magischen Möglichkeiten die tantrische Praxis bietet.

 

So, jetzt ist aber Schluß mit dem undankbaren Lästern. Und das auch noch in einem Mabonblogartikel - peinlich, peinlich. Die Einweihungen waren kraftvoll, die Mitglieder der Gompa haben uns freundlich aufgenommen, die Tara begeistert mich jeden Tag aufs Neue und die Kosten sind von der Steuer absetzbar. So geht Fortbildung…


Anrufen

E-Mail